Argumente, Fakten, Hintergründe

Im vorigen Artikel wurden weitere Informationen angekündigt. Inzwischen wächst die Datensammlung der Bürgerinitiative. Ohne Interna preiszugeben, können die folgenden Argumente, Fakten und Hintergründe hinzugefügt werden. Doch zunächst noch einleitende Gedanken.

Zum Ausverkauf von Hermagors Naturschätzen

Das Ortsbild Hermagors hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Am Sonnenhang Hermagors sind die Veränderungen augenfällig. Schlägerungen im Radnigforst sind von Ferne zu sehen, wo sonst geschlossenes Waldgebiet war. Wenn man ein Stück von der Gailtalklinik weiter in Richtung Radnig fährt, fallen ebenfalls Rodungen und zahlreiche Neubauten auf. Auch Radnig selbst ist kräftig gewachsen.  Hermagor dehnt sich aus und wird wohl wie andere Städte nach und nach die umliegenden Gebiete mit ihren Dörfern und Weilern vereinnahmen.

Gleich oberhalb von der Altstadt befand sich noch in den Sechzigern und Siebzigern eine intakte Magerwiese, die Schabus-Weise mit einer einigartigen Pflanzenvielfalt, wie sie heute immer seltener anzutreffen ist. Nun wird diese sogenannte Martinzen (Flurbezeichnung) verbaut, und dies in zeitgenössischem baulichem Wildwuchs. Damit musste ein malerisches Naherholungsgebiet weichen. Die Expansion findet natürlich auch in anderen Dörfern statt (Obervellach, Khünburg, Neudorf, Kühweg…)

Wie den Gemeidenvätern und -müttern entgangen sein dürfte, verschwindet dadurch  ein Stück Natur bzw. Grünfläche nach dem anderen.  Die Kämpfe um die Pflege und Erhaltung des sogenannten Friedensparks in Hermagor an der Gösseringlände waren auch vergeblich.

Der Fuß des Guggenbergs, also jener Erhebung, die sich zwischen Gail- und Gitschtal mit seinen Ausläufern bis ins Ortsgebiet erstreckt,  wäre vor Jahrzehnten beinahe Gemeindegut geworden, doch leider erfolgte ein Rückzieher und seither ist ein beträchtliches Areal im Gemeindegebiet in Besitz einer Industriellen-Familie. Diese ist selbstverständlich nicht daran interessiert, dass die alten Spazier- und Wanderwege erhalten bleiben. Kurzum, sie geraten in Vergessenheit und verschwinden (und damit finden die wenigsten Hermagorer und Gäste noch Zugang zur Annenkapelle mit der naturgeschützten Linde und zur Ruine Malenthein, obwohl diese Sehenswürdigkeiten sogar in aktuellen Wanderführern beschrieben sind!). Ein weiteres sehr schönes Naherholungsgebiet ist damit so gut wie vom Erdboden veschwunden.

Parkplätze – Langeggerplatz, Friedhof – fraßen weiteres Naturgebiet und Gärten weg. So blieb den Hermagorern als Grünzonen schließlich nur noch die Wege längs des. Mühlbaches, der Schützenpark und der Gösseringgraben. Es sei denn, man springt ins Auto und fährt ein gutes Stück hinaus.

In all dieser Zeit ließ die Gemeinde gewähren und sah nicht die Nachteile, die durch das Verschwinden der Erholungsräume drohten. Seitens der Bevölkerung, aber auch so mancher Gewerbetreibender im gesamten Bezirk, vernimmt man seit Jahren die ständige Klage: „Die interessiert nur das Nassfeld, da wird alles Geld hingepumpt!°“

So scheint es auch zu sein, denn hatte man vor der Jahrtausendwende noch für allerlei zusätzliche Gestaltung im Oret Hermagor gesorgt – Fitnessparcours im Gösseringgraben, Wünschelrutenrundwanderweg in und um Hermagor, nette Gestaltung eines Kinderspielplatzes im Graben, Fussballtor, Sitzbänke, passable Erhaltung des Weges udn der Fußgängerbrücken – so war in den letzten Jahren nur noch ein Abbau zu bemerken. Überalterte Bäume wurden entfernt, aber angepflanzt oder sonst zur Zierde beigetragen wurde gar nichts. Als Hochwasserschutz wurde der Damm zur Gössering im Bereich des Schützenparks erhöht (was ja an sich sinnvoll ist), seitdem hat diese nördliche Seite des Parks räumlich und oprisch „verloren“. Für Blumenschmuck wurde rund um das zentrale Denkmal leider immer weniger gesorgt. Waren früher überall schöne Bänke aufgestellt und die Wege sauber und weiß gekiest, so führt jetzt nur noch ein fader breiter Weg durch den Park und außer den schönen alten Kastanienbäumen und Rasen gibt es nichts.

Wer damit schon gemeint hätte, das wäre der Höhepunkt der inneren Verarmung Hermagors gewesen, der irrt. Denn nun statt im höchsten Maß alarmiert über die Verarmung des Ortsbildes zu sein, setzt man noch eins daruf, lässt den Mühlbach versiegen, möchte wohl am liebsten alles zubetonieren und verscherbelte das letzte Naherholungsgebiet und Naturparadies der Stadt an zwei private Kraftwerksbetreiber nur für deren Profit. Nach dem derzeitigen Informationsstand waren es die Bundesforste, die Eigentümer der massgeblichen Grundstücke im Gösseringgraben sind. Der Verdacht liegt nahe, dass für ein „Linsengericht“(vergleiche Bibelgeschichte) essentielle Rechte an einem Kleinod von unser aller Gut in private Hände von Geldrittern wanderten, die ihre Gunst der Stunde nutzten. Erneuerbare Energien, das Zauberwort, Kleinkraftwerke, Fördergelder, arbeitslosees Einkommen… Was kümmert da der Lebensraum von symbiotisch über Jahrmillionen zusammenlebenden Lebewesen?

Fortschritt dieser Art wird uns allen auf den Kopf fallen. Es gäbe eine Fülle von Orten aufzuzählen, die gerade wegen ihrer intakten Natur oder wegen ihrer naturnahen Parkanlagen lebenswert sind und Besucher anziehen. Nur Hermagor hat das nicht nötig. Unfassbar! In einer Region mit alarmierenden Abwanderungszahlen. Mit wenig Industrie und mit Tourismus als wichtigem zusätzlichen Erwerbszweig. Mit dem Lesachtal als Vorzeigmodell, weil es in seiner Ursprünglichkeit erhalten blieb.

Wo sind sie alle, die heimischen Bürgermeister, Gemeinderäte, Biologielehrer, Botaniker, Historiker, Naturliebhaber, Wanderfreunde, Naturfotografen, Alpinisten, die Künstler, die Poeten, die Naturschutzbeauftragten des Bundes des Landes, die doch alles katalogisieren und Alarm schlagen müssten?

Was ist mit den stolzen Gymnasiasten des BORG und mit den sonstigen jungen Leuten in Ausbildung? Wird den Kindern denn keinerlei Beziehung zur Natur und Umweltbewusstsein vermittelt? Wäre es nicht sinnvol,, den Wert solcher Naturgebietre zum Projekt- und Aufsatzthema zu wählen? Geht man im Naturkunde-Unterricht nicht mit den Schülern hinaus, um Biotope auszusuchen und Beobachtungen anzustellen? Ist es nicht ein bisserl traurig, dass ausgerechnet eine 87jährige Einwohnerin Alarm schlagen musste? Haben all die vielen jungen Leute keine Meinung? Stellen sie keine Fragen?

Hat nicht einer/eine jemals zur Sprache gebracht, was für ein wertvolles Gebiet diese Idylle jenseits der Stocksteinerwand ist? Was für ein Schatz diese vitale Bach mit seinem klarem Gebirgswasser ist, der  seit Jahrhunderten das Ortsbild schmückt? Sollte es nicht die oberste Verantwortung der Gemeindeleitung sein, erhaltenswerte Gebiete zu schützen?

Es gibt Dörfer, die stolz auf ihre Brunnen sind. Sie würden in Tränen ausbrechen, wenn sie erfahren, was in Hermagor „nichts wert ist“. Es gibt Regionen in Ostösterreich, die über keine klaren Bäche verfügen, wo es keine natürlichen Seen gibt. Schottervorkommen werden großflächig ausgebaggert. Mit viel Freude und größtem Stolz profitiert man von den auf diese Weise gewonnenen „Naturbadeseen“.

Die fließenden Gewässer in und um Hermagor und das umliegende Au- und Waldgebiet  sollte mit allergrößtem Respekt und mit größter Behutsamkeit behandelt und für die Nachwelt bewahrt werden. Hatte man nie daran gedacht, es unter Naturschutz zu stellen? In anderen Regionen ist man stolz auf seine Naturschutzgebiete.

So, das waren nur einmal die einleitenden Bemerkungen. Es muss einmal etwas weiter ausgeholt werden, denn was hier an Raubbau geschah, kann ja nur Ansässigen offenkundig sein. Wer neu zugezogen ist, kann ja gar nicht erfassen, was für ein Zerstörungswerk hier in den letzten Jahrzehnten sozusagen „ersatzlos“ erfolgte und kann nicht ermessen, dass die Gemeinde hochgradig säumig ist. Man kennt es ja nicht anders.

Was nun folgt, lehnt sich an Textmaterial an, das in den Akten der Bürgerinitiative ist.

Diesen Unterlagen, die ich vor wenigen Tagen erhielt, entnehme ich, die Betreiberin des Blogs, übrigens auch, dass ich als eine der AnsprechpartnerInnen der Bürgerinitiative öffentlich genannt werde. Das gibt mir nun doch eine etwas stärkere Legitimation für diesen Blog, der zumnächst einfach nur aus eigenem Antrieb entstand…. 😉

Leserbrief von Helene Pilz, Hermagor

Hier sei noch einmal der Leserbrief von Helene Pilz eingeblendet, der vielen HermagorerInnen aus der Seele spricht.

leserbrief_helenepilz

Und nun zu den angekündigten Materialien.

Aus den Notizen der Bürgerinitiative vom 23.1.2017

Sehr viele Hermagorer sind empört. Der Mühlbach fließt nicht mehr!!! Daher wurden und weren Unertschriften gesammelt (bisher sind es mehr als hundert), die wir im Sinn einer Bürgerinitiative darstellen.

Start dafür was das Schreiben von Frau Helene Pilz, Schützenparkgasse, im Mai 2016, die dieses bezüglich des Fließens unseres Mühlbaches an die Stadtgemeinde Hermagor (Bürgermeister, Gemeinde,…) verfasste und adressierte.

Ausgehend von der Tatsache, dass das Versiegen des Mühlbaches (inzwischen fließt er „vorerst“ wieder, vermutlich infolge der massiven Proteste, denn monatelang war nichts geschehen!) mit der Errichtung eines geplanten Kraftwerkes im Zusammenhang steht, werden Fragen aufgeworfen.

  1. Wem nützt – dient das Werk? der Allgemeinheit?
  2. Wird es gefördert? Wenn ja, mit welchen Mitteln?
  3. Was sagt der Naturschutz?

Dieses Kraftwerk wäre das dritte an der Gössering.

Der Festschrift Freiwlllige Feuerwehr von Johann Janschitz ist zu entnehmen, dass der Hermagorer Mühlbach seit dem 17. Jahrhundert fließt.

Ob der Mühlbach als natürliches oder künstliches Gwässer oder als naturnahes Gewässer bezeichnen mag, er erfreut Bevölkerung, Gäste, Erholungssuchende. Abgesehen davon hat er zahlreiche weitere nützliche Funktionen…

Das Flußsystem Mühl- bzw Stocksteinerwandbach (ungefragte Neo-Bezeichnung des Mühlbachs) und der Gösseringsbach sind ein ganz besonderes, einzigartiges und sas einzige Naherholungsgebiet von Hermagor.

Hier trifft sich Jung und Alt, Einheimische und Touristen, Patienten der Gailtalklinik, Kidnergarten- und Volksschulkinder, Klienten der Tagesstätte und Bewohner der AVS, um Wald und Fluss auf dem leicht begehbaren, barrierefreien Wanderweg zu genießen.

Das Wasser ist mehr als ein Gerinne. Es wirkt beruhigend und ausgleichend auf Körper, Geist und Seele und lädt zum Verweilen ein. Der Schützenpark im Stadtzentrum von Hermagor – zwischen Mühlbach und Gössering gelegen – ist ein guter Platz zum Ausruhen. Unter Kastanienbäumen das Dahinplätschern des Wassers mit allen Sinnen zu genießen, Tiere zu beobachten – Bekassinen, Fische, Wasseramseln, Bachstelzen, Stockenten, jas sogar den streng geschützten Eisvogel, so wie auch im Gösseringgraben – ist ein Privileg, das es zu schützen gilt.

Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes, meint sinngemäß (23.3.2016): Kleinkraftwerke könnten einigartigen Naurjuwelen, auch wenn diese klein sind, mehr schaden als grüne Energie liefern.

Darum möchten wir Hermagorer dieses Juwel in seiner ursprünglichen Form erhalten, für uns und kommende Generationen.

Gleichgesinnte sind herzlich willkommen.

Ansprechpartner der Bürgerinitiative: Frau Helene Pilz, Frau Dr. Lygia Simetzberger, Frau Rike Maturana, Herr Dipl. Ing. Peter Sommeregger, Frau Mag. Christine Kuttnig-Dekan, Tel. 0664 2619876

In Kürze folgen weitere Fakten und Fragen.