Was geschieht am Wasserwehr?

Reichlich Fotomaterial im Anschluss!

Was passiert am Wasserwehr im Gösseringgraben?

14 04 2017

Nun, gleich vorweg:

Der Hermagorer Mühlbach ist wegen seines klaren Gebirgswassers nicht nur ein Naturjuwel, sondern mit seiner wechselhaften Geschichte über viele Jahrhunderte auch Kulturerbe. So gesehen geht er uns alle an. Vor allem natürlich geht es um die Bewahrung dieses Schatzes (und wenn Wasser nicht eine Kostbarkeit ist, was dann?) für die EinwohnerInnen der Stadt und ganz besonders natürlich für künftige Generationen.

Damit ist im Grunde genommen auch schon alles über das Engagement der Bürgerinitiative „Rettet den Mühlbach!“ gesagt. Ihr geht es darum, dieses Kleinod zu bewahren.

Konkret geht es darum, dass auf unfassbare Weise die Interessen und alten Rechte der AnrainerInnen übergangen wurden und einem Privatunternehmer die Rechte sowohl am Gerinne der Gössering im Bereich um den alten Wasserfall als auch das Wasserwehr (!!) abgetreten wurden.

Vertragspartner sind die Österreichischen Bundesforste! Sie verscherbelten einmal mehr ein Stück des „Familiensilbers“, leider passiert dies ja auch andernorts und anscheinend ist dem nichts entgegen zu setzen…

Zum Entsetzen aller, die viel zu spät vom Geschehen im Gösseringgraben informiert wurden und sehr wohl Interessen (manche sogar Rechte) haben, wurde sogar das Wasserwehr diesem Herrn, einem Herrn Andreas Patterer, der als Bereichsleiter (Sozialwesen!) in der Bezirkshauptmannschaft Hermagor tätig udn bisher nicht nennenswert in Hermagor in Erscheinung getreten ist, übertragen.

Verbunden wurde dieser unglaubliche Deal lediglich mit einigen Auflagen, wie beispielsweise der Errichtung eines Fischaufstieges und der Erhaltung des Mühlbaches mit einer Schüttung von 100 Litern pro Sekunde. Gegen beide Auflagen, die in einem Bescheid ausgesprochen wurden, läuft Herr Patterer mittlerweile schon in zweiter Instanz Sturm. Die Fischleiter will er nicht bezahlen. Das soll die Gemeinde tun. Die weirte begründung des Einspruchs ist uns dem Wortlaut nach leider nicht bekannt.

Der gegenständliche Bescheid ist also noch nicht rechtskräftig und hängt bei Verwaltungsgerichtshof an!

Monatelang beobachteten die AnrainerInnen besorgt, dass wenig bis gar kein Wasser im Mühlbach floss. Still war es geworden…. Zeitungsnotizen hatten sie entnommen, dass Kleinkraftwerke im Gösseringgraben geplant seien, dass jedoch der Mühlbach dadurch künftig keineswegs beeinträchtigt würde. Seitens der Gemeinde gab es keinerlei Information. Wie die Bürgerinitiative in Erfahrung brachte, nicht einmal am Schwarzen Brett. So wurde zunächst geduldig abgewartet, bis eine Unterschriftenaktion inittiert wurde, die die Stadtgemeinde zum Tätigwerden veranlassen sollte.

Ungeführ zeitgleich mit der Unterschriftenaktion „Rettet den Mühlbach (in Hermagor)!“ formierte sich eine gleichnamige Bürgerinitiative und begann mit Erhebungen. Am Rande sei erwähnt, dass es auch zu einer stillen Protestaktion an einer Mühlbachbrücke in der Altstadt kam, mit einem Friedhofslicht und Trauerworten für den Mühlbach. Auch wurde eine siebenminütige Dokumentation „Tragic Mühlbach“ auf YouTube gestellt und es entstand eine Lyrik-Serie über den Mühlbach und die Gössering (Fotos und Texte), um auf die Situation hinzuweisen. Mit einem Wort, überall begann sich Initiative bemerkbar zu machen.

Nach dem gegenwärtigen Stand ist jedenfalls schon einmal erklärlich, dass es ein Problem gibt. Herr Patterer kämpft um sein Recht als künftiger Kraftwerkseigner, und die Stadtgemeinde hat zwar Parteienstellung im gegenständlichen Verfahren und hat verwaltungsrechtlich dafür zu sorgen, dass die vereinbarte Wassermenge in den Mühlbach eingespeist wird. Aber zur Zeit haben wir ein schwebendes Verfahren!

Infolge des Entrüstungssturmes, der durch die Bürgerinitiative zum Ausdruck kam, sah sich die Stadtverwaltung inzwischen genötigt, etwas zu tun um die besorgten BürgerInnen zu beschwichtigen. Das Wasserwehr ist versperrt.

Aber es ist möglich, Verklausungen zu beseitigen und auf diese Weise zumindest ein wenig Wasser von der Gössering abzuzweigen. Das geschah. Seither ist der Mühlbach zwar nicht wieder der stolze, kräftige Bach, wie er es ca. vierhundert Jahre lang war, sondern nur ein Rinnsal, aber immerhin, es rinnt Wasser (in letter Zeit wieder weniger, worauf wir noch zu sprechen kommen).

Über diese Intervention wurde stolz im Gemeindeblatt und in regionalen Medien berichtet. In diesem Zusammenhang trat kurz eine grüne Politikerin in Erscheinung (auch auf einem Foto, am Mühlbach hockend), von der man aber mittlerweile nichts mehr vernimmt. Die Hoffnung lebt.

Doch nun wollen wir die Situation unter die Lupe nehmen. Hier in diesem Beitrag wird damit begonnen. Da die Lage aber sehr komplex ist, wird in einem Folge-Artikel fortgesetzt.

Hier wollen wir auf das Auseinanderklaffen der Interessen des Kraftwerksplaners und der BürgerInnen eingehen. Wobei es sich beim Kreis der BürgerInnen, die in der  Bürgerinitiative aktiv sind,  nur umd die unmittelbar Betroffenen handelt. Betroffen müsste im Grunde genommen jeder sein dem Natur am Herzen liegt, und jeder, der dessen Wert von Gewässern als Teil der Ortsbildgestaltug und als Beitrag zur Lebensqualität bewusst ist. Besorgt sollten alle kulturbewussten Menschen sein, alle Biologen, Naturliebhaber, aber auch alle  Tourismusmanager der Region. Eltern, Tierfreunde…

Wenn man beobachtet, wie gerne Menschen sich im Sommer am Bach erfrischen, wie begeistert Kinder von diesem Mühlbach-Erlebnis sind, wie glücklich Hunde bei ihrem Spaziergang am Bach umhertollen, wenn man Flora und Fauna am Bach beobachtet, versteht man, dass der Bach weit mehr als nur H2O ist.

All das scheint der Stadtgemeinde nicht bewusst gewesen zu sein. Wir von der Bürgerinitiative können nur mutmaßn e, dass dies damit zu rtun hat, dass in der Hermagorer Gemeinde fast nur noch „Auswärtige“ tätig sind, also Menschen, die ihren Wohnsitz nicht im Ort Hermagor selbst haben. Fast niemand von ihnen kennt den Mühlbach überhaupt, fast niemand von ihnen war im Gösseringgraben, und wenn, dann hat er ihn sicher nicht ganz durchschritten und zu allen Jahreszeiten mit allen Sinnen erlebt so wie wir.

Man kann im biblischen Sinn konstatieren: Sie alle hatten keine Ahnung, was sie tun. Die beiden Bürgermeister sagen, sie haben von nichts gewusst (man könnte allerdngs leise fragen, ob es nicht ihre Aufgabe gewesen wäre, sich durch Lokalaugenschein und Gespärch über die Verhältnisse zu informieren). Dies gilt auch für den Landeshauptmann und seinen Stab, der das Ganze nichtsahnend vermurkst hat (behauptet wurde, dass kein öffentliches Interesse gegeben ist, himmelschreiend, denn wenn es in dieser Causa kein öffentliches Interesse gibt, wann dann?).

Und: Das gilt nun leider tragischerweise auch für für den Verwaltungsgerichtshof, bei dem der zu prüfende Bescheid liegt. Hier wäre noch Hoffnung, hier wäre eine Chance. Aber… Wer kennt in Wien die wirkliche Situation?

Fast niemand kennt die Geschichte des Mühlbaches (Anm.: die nun dank Frau Helene Pilz aufgeschrieben und mit Abbildungen in einer Broschüre dokumentiert ist). Der Mühlbach diente wieder und wieder als Energiespender für Kraftwerke und Gewerbebetriebe. Er diente den Frauen einstmals zum Schwemmen der Wäsche. Er dient bis heute zur Bewässerung der angrenzenden Gärten. Für die Feuerwehr ist er leicht erreichbares Löschwasser, denn die Gössering befindet sich ja bereits etwas außerhalb.

Erschüttert sind wir nun, wo schon so viel im wahrsten Sin des Wortes den Bach hinuntergegangen ist, dass sich kein Mensch jemals dafür stark gemacht hat, diese Gewässer und die Biotope, die die letzten Naherholungsgebiete von Hermagor sind, unter Schutz zu stellen. Sie fanden kaum jemals Erwähnung, wohl deshalb, weil sie ein Schattendasein gegen andere, spektakulärere Natursehenswürdigkeiten in unsere Region führten.

Spät, aber doch wird nun der Wert erkannt und gibt es Menschen, die sich um die Rettung des Mühlbachs bemühen. Mehrmals wurde schon vernommen, dass das Engagement vor allem künftigen Generationen gilt und dass man gerade deshalb nicht unversucht lassen will.

Doch mit einer Regelung wie im Bescheid, der ein längerer „Kuhhandel“ vorausgegangen sein dürfte (von 300 Litern war angeblich anfänglich die Rede, dann von 200, und nach verzweifelten Aufschreien des Herrn Patterer, dass er ja dann nichts davon habe, wurde schließlich die Auflage „Einspeisung von 100 Litern pro Sekunde“ in den Bescheid aufgenommen. Doch, wie gesagt, sogar das ist Herrn Patterer zu viel. Er will alles oder nichts. Das liegt inzwischen auf der Hand.

Doch mit dieser Einstellung schafft er sich keine Freunde, das ist gewiss. Die Situation erinnert ja sogar an George Orwell. Ein Mann von Sozialamt, der von einer sozialen Einstellung nichts hält, das hat etwas Endzeitliches.

Doch zu den Fakten. Man müsste ausmessen, wie groß die bisherige Fließwassermenge des Mühlbaches pro Sekunde  war. Jedenfalls war der Mühlbach wegen seiner Kraft gefürchtet. Auch der stärkste Mann konnte im Mühlbach unter üblichen Bedingungen nicht stehen, sondern wurde von der Strömung mitgerissen. Der Bach hatte eine Wasserhöhe von einem halben Meter uund mehr. Mit Abweichungen, weil der Zufluss am Wasserwehr geregelt werden konnte.

Im klaren Wasser gab es Fischbesatz mit „kapitalen“ Forellen, es wuchsen Pflanzen die nur in reinen Gewässern gedeihen. Im jetzigen Rinnsal könnten vielleicht ein paar Fischlein überleben. Wenn man mit der Gießkanne Wasser entnehmen wollte, musste man sich in Acht nehmen, nicht weggerissen zu werden. Heute kann man nicht wie bisher Wasser mit einer Gießkanne aus dem Bach schöpfen, denn das Gerinne ist viel zu niedrig und man reicht von den betonierten Stiegen, die von unseren  Vorfahren in das Bachbett eingelassen wurden, zur Zeit nicht zum Wasserspiegel.

Definitiv ist eine Schüttung ab Wasserwehr von 100 Litern pro Sekunde nicht das, was der Charakteristik des Mühlbachs entspricht. Dem läge man wahrscheinlich mit den vorgeschlagenen 300 Litern pro Sekunde näher. Die Bürgerinitiative kann sich vorstellen, dass ein faires Ziel von 200 Litern pro Sekunde angepeilt wird, jedoch mit offenen und nicht mit gezinkten Karten…

Wie diese soeben geäußerte Skepsis zustande kommt, darauf wird nun eingegangen. Stichwort: Lokalaugenschein.

Bei einem Spaziergang im Spätherbst war festzustellen, dass oberhalb vom Wasserwehr eine Art künstlicher Damm im Gerinne längs der Gössering aus Schotter  aufgeschüttet worden wr, wohl um den Zufluss von Wassermengen in Richtung Wasserwehr zu verringern.

An diesem Damm hat sich nichts geändert. Am Wasserwehr gibt es Verklausungen (Astwerk und vermutlch Schotter -und Sandmassen), die ebenfalls den Zufluss erheblich verringern.  Dies ist nichts Ungewöhnliches. Auch früher musste dieser Bereich immer wieder gesäubert werden. War jedoch das Wehr in früheren Tagen weit geöffnet, riss es das angeschwemmte Material weitgehend durch. Es gab an dieser Stelle meist einen mächtigen Wasserstrudel.

Unterhalb des Wehrs wurde im Spätherbst festgestellt und fotografisch dokumentiert, dass mächtige Steine im Bachbett lagen und ein Verbindungswehr offen stand, das zusätzlich zur Regulierung diente. Überströmendes Wasser konnte auf diese Weise zurück in die Gössering abgeleitet werden. Indem dieses Tor jedoch offen stand, versiegte das Wasser des Mühlbachs gleich wieder hinter dem Wehr bis auf ein unbedeutendes Wässerlein. Auch dieses hatte Mühe durchzudringen, da Astwerk, Geröll und Sand den Abfluss erschwerten.

Inzwischen hat sich die Situation merklich verändert. Das Zusatzwehr einige Meter unterhalb vom Wasserwehr ist zwar zu und es steht Wasser, aber was danach folgt, spricht Bände. Herr Patterer hat seine Intelligenz ganz offensichtlich dafür eingesetzt, dem Bach noch eine zusätzliche Barriere auzuerlegen. Vin der kleinen Brücke, die sich zwischen Wasserfallbereich und Spielwiese (früher Runderplatz) befand, ist nur noch ein metallenes Geländer zu sehen! Statt der Brücke mit ihrer Eigenschaft, sich übner fließe3ndem Wasser zu erheben, ist keien Spur mehr. Statdessen wurde massiv aufgeböscht und wurden ein kleineres und ein größeres Rohr eingelegt. Methoden, die unverkennbar einer zusätzlichen Drosselung der Wassermenge dienen.

Nun, liebe Behörden und Oberbehörden, liebe Bürgerinitiative und liebe Stadtgemeinde: Kann es denn sein, dass sich solche Maßnahmen in aller Öffentlichkeit abspielen, ohne dass es jemand bemerkt und die Absicht durchschaut? Noch einmal halten wir fest: Laut dem in zweiter Instanz erneut angefochtenen Bescheid, der uns leider nicht schriftlich vorliegt, soll der Zufluss beim Wehr mit 100 Litern pro Sekunde gewährleistet sein, und selbst wenn das genau eingehalten wird, ist das mickrig.

Doch das wird erstens mit dieser „Zusatzmaßnahme“ bzw zusätzlichen Barriere von Herr Patterer eindeutig torpediert, und zweitens steht wohl von einer Genehmigung solcher Barriere-Maßnahmen nichts in Verträgen und Bescheiden. Zumindest gilt die Vermutung!

Es muss doch also auch möglich sein, dieser „Erdbau-Maßnahme“ von Herrn Patterer, die höchstwahrscheinlich nicht rechtens bzw. eine erstaunliche Eigenmächtigkeit ist, etwas entgegen zu halten. Sprich: sofortiger Rückbau. Jedenfalls, eins ist klar. Es zeugt von der Gesinnung des Herr Patterer und stimmt schon etwas traurig, wie ein Mensch so agieren kann.

Fakt: Meines Erachtens müsste von Amts wegen gegen diese Anmaßungen eingeschritten werden. Noch ist das Verfahren noch nicht einmal entschieden, und hier wird schon zusätzlich sabotiert und torpediert, was das Zeug hält.

Aber ob Recht oder nicht: Wenn der Bescheid aufgehoben wird, verlieren alle Bewohner Hermagorer, verliert die Natur, verlieren die künftigen Generationen, verliert das Ortsbild, verlieren alle an Lebensqualität. Und verliert die Stadt ihr Gesicht. Aber da nur am Rand.

Es muss doch möglich sein, statt einer rechtlicher Lösung eine faire Lösung zu finden.

Aber, alarmiert von den Methoden des Herrn Patterer, sei präventiv noch auf einen weiteren Umstand hingewiesen:

Selbst wenn diese (zu geringe) Menge von 100 Litern pro Sekunde, die sich eine arme Seele ohne Befragung der BürgerInnen ausgedacht hat, durchsetzbar ist und bleibt, so sei zu beachten, dass dies an einem Tag der Durchführung, Messung und Überprüfung ja der Fall sein mag, aber durch Verklausung und „Nachhilfe“ durch Herrn Patterer sehr wohl schon am nächsten Tag dafür gesorgt sein kann, dass weit weniger Wasser rinnt.

Anmerkung: Dieser Beitrag ist subjektiv gefärbt und muss nicht notwendigerweise der Auffassung der anderen Beteiligten an der Bürgerinitiative entsprechen.

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