Historisches über Mühlbach und Gössering

Erst wenn es um die Erhaltung eines kostbaren Natur- und Kulturgutes geht (und wenn man schon ein bisschen länger auf der Welt ist…) beginnt man sich mit den historischen Wurzeln einer Region zu beschäftigen. So ist es auch hier der Fall.

Man findet seltsamerweise wenig Schriftliches über die fließenden Gewässer unserer Region, abgesehen von Katastrophen und dem Thema Hochwasserschutz, auch fand ich bisher noch nichts über historische Verbauungen und viele Brücken im Ortsgebiet von Hermagor sind namenlos. Vermutlich, weil man das Thema Wasser angesichts des Wasserreichtums und der ständigen Bedrohung durch Überflutungen hierzulande als selbstverständlich nahm.

Fündig wurde ich, was die Errichtung der Wasserwehranlage im Gösseringgraben anbelangt, und das Folgende ist hochinteressant.

Im Buch „Alt-Hermagor, Geschichtliche Erinnerungen“ von Hubert Pietschnigg, das für Hermagor von unschätzbarem historischen Wert ist, sind Informationen darüber zu finden, wann und wie es zur Errichtung dieser Weganlage kam. Der Verfasser war fürstbischöfllicher Konsistorialrat und Dechant.


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Die große Gieß von 1851

Hermagor wurde wiederholt von verheerenden Brand- und Hochwasserkatastrophen heimgesucht (Seite 11 ff.). Ein solches Hochwasser ereignete sich 1851. Es war dies zu Allerheiligen. Der Autor schildert die dramatischen Geschehnisse sehr anschaulich, ebenso die Schäden, die das Wasser im Ort anrichtete. Aber nicht nur im Ort Hermagor! „Das Gailtal“, so schreibt er, „…gewährte den Anblick eines großen Sees…“. Sechs Tage darauf fiel tiefer Schnee. Erst im folgenden Frühjahr sah man die vollständigen Verheerungen.

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Das Wirken von Dechant Lewitschnig in Hermagor

In besagtem Frühjahr 1852 Pfarrer Dr. Bartholomäus Lewitschnig die Pfarre Hermagor an. Seite 114). Er erlebte in Hermagor noch einige Hochwasser (Seite 115) und berichtet im Pfarrbuch, dass die hochgehende Gössering am 21. Oktober 1854 den Schutzbau des unteren Friedhofes und die Mühlwehr bedeutend schädigte. Eine weitere Gieß am 3. und 4. Dezember 1872 verschotterte den unteren Friedhof sehr stark.

Dechant Lewitschnig kam von seinem früheren Dienstort Innerteuchen (bei Villach) schon mit allerlei Bauerfahrung und drang darauf, vor dem Friedhof einen steinernen Damm zu setzen.

„Noch mehr Sorgen“, so schreibt Dechant Hubert Pietschnigg über seinen Amtsvorgänger, „bereitete dem für das öffentliche Wohll stets tätigen Dechanten der Mühldamm bei den Mühlen.“

Bei der großen Gieß Anno 1851 wurde auch der Mühldamm, weggerissen. Nun blieben die Mühlen und die Fabriken bis zur Ankunft des neuen Dechanten stehen. So wurde die Wiederherstellung des Dammes seine erste große Aufgabe in Hermagor (Seite 115).

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Drinnen im Gösseringgraben, so steht geschrieben, hat es nie eine Talsperre gegeben. Fichtenbäume mit Ästen bildeten die Wehr.

„Bei jedem Regen brach die Wehr durch, und oft im strengsten Winter mussten die Müller tagelang, bis an den Gürtel im Eiswasser stehend, einen notdürftigen Damm herstellen. “

Dechant Lewitschnig erbettelte Geld aus dem Wasserfonds und setzte durch, dass eine Wehr erbaut und im Oktober 1853 fertiggestellt wurde.

Damit war es allerdings noch nicht getan. Denn bereits 1870 wurde die Wehr durch eine neuerliche Flut zerstört. Zwei Jahre später brach der Damm teilweise.

Beide Bauten sollten 1873 wieder aufgenommen werden, berichtet Dechant Pietschnigg, wieder mit Mitteln aus dem Wasserfonds.

Im September 1873 wurde der innere Damm fertig, im Oktober 1873 der äußere.

Der Dank dafür…

Volle Würdigung scheint jedoch Lewitschnig bei diesen Bemühungen für das Gemeinwohl nicht gefunden zu haben, so können wir hier lesen, denn er schließt seinen Bericht mit den Worten „So (nämlich durch die Wahl zum Bauobmann) ehrte der halbe Markt am 24. Mai 1873 den Dechant, der halbe Markt setzte ihn am 24. Oktober 1873 ab.“ (Seite 116).

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Es wäre wünschenswert, an alte Pläne und Abbildungen von den Bauwerken zu gelangen, denn im Buch Alt-Hermagor finden sich weder Skizzen noch eine genaue Lagebeschreibung… Auch kann hier zum mehrfach erwähnten Wasserfonds nichts Näheres gesagt werden. Wir werden uns bemühen, mehr Details zu ermitteln.

Über das Buch Alt-Hermagor

Das Buch „Alt-Hermagor“ erschien im Jahr 1931 im Eigenverlag des Verfassers. Da das Original schon längst vergriffen bzw. nur mit etwas Glück in Antiquariaten erhältlich ist, erschien in zweiter Auflage im Jahr 1980 ein Nachdruck (ISBN 3853663598) mit einem Vorwort der Stadtgemeinde-Vorstehung und einem Nachtrag über Hermagor als Stadt 1930 bis 1980 von Arnold Ronacher. 

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