Hopfen und Malz verloren… oder verleiht das Christkind unserem Bürgermeister Flügel?

Wasser bedeutet Leben… Der Mühlbach ist (vorläufig) tot – die „Stadtregierung“ schweigt – und allen Naturliebhabern bricht das Herz.

Ja, jetzt müssten wir von der Bürgerinitiative „Rettet den (Hermagorer) Mühlbach“, die uns schon die Füße wundgelaufen haben, schon wieder vom Pontius zum Pilatus rennen… Seitens der Gemeinde und seitens der mittelbaren Bundesverwaltung (BH Hermagor) erhalten wir nämlich nur Informationen, wenn wir zu den Verantwortlichen laufen. Nicht gut.

Augenschein

Diesmal mach‘ ich die fast schon routinemäßige Behördenrunde nicht.

Ich Zweitwohnsitzlerin habe wegen anderer Verpflichtungen nur Zeit für einen Aufenthalt von eineinhalb Tagen, wovon einer der erste Adventsonntag (1.12.2019) ist.

Ich komme aus einem an deren Bundesland in meine alte Heimat, weil ich hier allerlei zu erledigen habe.

Also muß es diesmal damit getan sein, die Lage vor Ort zu erkunden.

Aktueller Zustand von Mühlbach und Wasserwehr im Gösseringgraben

Ich komme, sehe, dass der Mühlbach nun überhaupt kein Wasser mehr führt, und bin sehr traurig und wütend. Als Mensch, der seine Pflichten überaus ernst nimmt, stehe ich fassungslos vor einem ausgetrockneten Bachbett. Ein Missstand, eine Anklage, ein Mahnmal, eine Erbärmlichkeit, eine Tragödie… und man lässt die Probleme jahrelang anstehen! Ein Sinnbild des Versagens, und es gibt „keinen Genierer!“

Eine Bürgerinitiativlerin hatte mir bereits elektronisch mitgeteilt, dass seit dem letzten Unwetter vor einigen Wochen am Wehr alles verlegt ist und nun gar kein Wasser mehr rinnt. Für Erkundungen war noch keine Zeit. Aha, es geht den anderen wie mir!

Aber eine solche Nachricht vernehmen oder etwas selbst sehen und erleben, ist zweierlei!

Da bleibt einem die Luft weg. Der Zufluss am Wehr, bereits zugeschwemmt, weil das Wehr fast geschlossen ist.

Eine Begegnung vor der Haustür, und erneut zeigt sich, dass man nach wie vor nichts weiß…

Die Energien gehen uns nicht aus, keine Sorge. Noch lange nicht!!!

Doch jeder (m/w), wirklich jeder, der sich aktiv an der Bürgerinitiative „Rettet den Mühlbach“ beteiligt, war in den vergangenen Monaten außergewöhnlich beschäftigt.

Von Krankenpflege bis Diplomprüfung, von diversen Familienpflichten bis zum Berufsstress, von Todesfällen, Unfällen und Erkrankungen bis zu geplanten und ungeplanten Reisen und sonstigen Fahrten bis zu allerlei belastenden Sondereinsätzen…

Es war ein ungewöhnlich forderndes, zeitfressendes Jahr für uns alle!

Dennoch trafen wir uns und rannten zu den Behörden, schrieben Eingaben, posteten in sozialen Medien und in Blogs, wieder und wieder…

Verantwortung

Bloß: Wir sind eine Bürgerinitiative!

Wir sind NICHT verantwortlich für das Schlamassel, das den Mühlbach-Skandal heraufbeschwor, auch nicht verantwortlich für Unwetter und sonstige Unbilden der Natur, auch nicht verantwortlich für die erforderlichen Gegenmaßnahmen, auch nicht veranwortlich für die Pflege des Ortsbildes.

Es sind klipp und klar die Organe der Gemeinde, die Verantwortung für die lokalen Agenden tragen und handeln müssen.

Es ist nun einmal kein leerer Wahn, dass heutzutage die immer komplexer werdenden kommunalen Aufgaben in den Händen von Spezialisten sind. Es braucht dazu ein zeitgemäßes Management, Fachleute, Bedienstete…

Unsere Lebensweise hat sich, wie wir wissen, in den letzten Jahrzehnten extrem verändert. Früher war das Leben unkomplizierter, die Aufgabenteilung war nicht so ausgeprägt, es gab intakte Familienverbände, man hatte mehr Zeit fürs Gemeinwohl zur Verfügung und die Bürger übernahmen daher viele kommunale Aufgaben in Selbsthilfe. Das geht schon längst nicht mehr.

Verkehrte Welt

Nur, was dann, wenn die Beauftragten nicht das erforderliche Engagement zeigen? Wenn sie nicht die Leistungen erbringen, für die sie beauftragt sind? Wenn Sie auf Drohungen mit Angst reagieren und sich eingeschüchtert zurückziehen? Wenn sie uns nur beschwichtigen und vertrösten. Wenn man im Kreis geschickt wird…

Es ist doch sonderbar: Wenn man als Angestellter nicht die erforderliche Leistung erbringt, ja darüber hinaus bereit zu Mehrleistungen ist, wird man erbarmungslos gekündigt.

Eigentlich sollten die Leute von der Bürgerinitiative Förderungen und Preise dafür bekommen, dass sie sich für das Ortsbild und für die Lebensqualität ihres Ortes engagieren!

Stattdessen beziehen Leute krisensichere Gehälter, die Schaden zum Nachteil der Bevölkerung anrichten, auch zum Nachteil künftiger Generationen. Schaden von einer Tragweite, die anscheinend manche der Verantwortlichen gar nicht ermessen können.

So schade, dass es Leute gibt, die sich in ihrem Zuständigkeitsbereich nicht einmal Zeit dafür nehmen, Lokalaugenschein zu nehmen und mit den Bürgern zu reden, die nicht bereit sind, mit ihnen Lösungen zu erarbeiten… Oder die so auf ihr Fachgebiet fixiert sind, dass sie nicht imstande sind, eine Situation in ihrer Gesamtheit zu erfassen.

Und Leute, die es nicht einmal der Mühe wert finden, die Bürgerinitiative bzw. die Bevölkerung auf dem Laufenden zu halten, was im Sinne einer guten Öffentlichkeitsarbeit eine conditio sine qua non wäre. Wäre. Es ist unfassbar.

Was wird geschehen?

Da wurde und wird immer noch so viel verbockt und nichts geschieht! Jedenfalls nichts Erkennbares, ich möchte vorsichtig sein!

Denn wie bereits erwähnt, diesmal bin ich (noch?) nicht vom Pontius zum Pilatus gelaufen, um mir wieder einmal ein Stück Information zu holen, die man sie sonst nicht bekommt. „Aus der Nase ziehen…“ nennt man das.

Mangels dieser Recherche ist es mir diesmal nicht möglich, Folgerungen aus dem jetzigen Zustand zu ziehen. Da sind meine Wahrnehmungen und meine fotografische Dokumentation. Seit dem letzten Unwetter (vorzeitiger Wintereinbruch mit schweren Schneemassen, Vermurungen/Hangrutschen, Lawinen und Überschwemmungen Mitte November) ist schon einige Zeit verstrichen. Keine Aufräum- und Reparaturarbeiten zu sehen – und keine Information darüber vorhanden, ob und wann etwas geschieht…

Touristen, geht nicht in den Graben – es ist trostlos geworden!

Schlimmer kann es wohl nicht mehr werden. Der einzige Naturspaziergang im Ort zeigt ein Stück verwahrloste Kulturlandschaft. Der Weg durch den Gösseringgraben ist ab dem Wasserfall sowohl für Fahrzeuge als auch für Fußgänger gesperrt.

Ein vom Mühlbach zur Gösserung überleitendes Wehr unmittelbar nach der Hauptanlage am Wasserfall ist nun nicht mehr intakt (siehe das folgende Foto), sodass ein Ausbaggern der Vermurungen ohne gleichzeitige Instandsetzung des Wehrs recht sinnlos wäre.

Nun ist endgültig eine irrwitzige Situation gegeben und das alles nur, weil die Stadtgemeinde nicht in der Lage ist durchzugreifen. Ein nachteilige Konsequenz gebiert die nächste…

Peinlich, peinlich

Wenn Bürger*innen unseres Städtchens, deren Interessen von Anfang an unrechtmäßig übergangen wurden, jahrelang damit pausenlos damit zu tun haben, Informationen zu erkämpfen und wenn sie die zuständigen Einrichtungen unzählige Male vergeblich um deren Tätigwerden ersuchen, ja anflehen müssen, so kann das wohl als eine höchst unbefriedigende Situation, ja als eine Schande für den Ort eingestuft werden.

Unser amtierender Herr Bürgermeister und Eisenbahnbediensteter hatte sicher Einfluss darauf, dass die Bahnstrecke bis Hermagor mit enormem Aufwand in eineinhalbjähriger Bautätigkeit modernisiert wurde. Eine löbliche, zukunftsweisende Errungenschaft! Doch was ist mit unserem Bach?

Die Mühlbach-Agenda mag im Vergleich zu diesem großen Projekt nicht so prestigeträchtig sein. Ob es allerdings – in einer Zeit des globalen Erwachens für die Brisanz der Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit – gut fürs Image der Bezirkshauptstadt Hermagor ist, dass sie ein Biotop verkommen lässt?

Ob man weiterhin den Mühlbach-Skandal ignorieren will, obwohl damit die Lebensqualität des gesamten Ortes leidet?

Die Abwanderung, ein lange ignoriertes Problem (laut Auskunft eines Kärntner Statistikers), ist von allen Bezirken Kärntens im Bezirk Hermagor am alarmierendsten. Wenn man – neben anderen Säumnissen, die nicht Ggeenstand dieser Betrachtung sind – das Natur- und Kulturerbe eines Ortes derart leichtsinnig verspielt, ist es eigentlich nicht verwunderlich, oder?

Soll Hermagor in die Geschichte eingehen als ein Ort, dessen Management für eine heillos verbockte Situation nicht geradestehen will? Der das Bemühen um eine Lösung nur vortäuscht? Das wollen wir bis zum letzten Atemzug nicht annehmen!

Kann einem ein Gewässer egal sein?

Ich will es nicht glauben! Wir wollen es nicht glauben!

Die Auskünfte zum Status Quo sind einzuholen. Ja, es ist traurig. Doppelt traurig in der besinnlichen Adventzeit…

Dann erst wissen wir, ob und was inzwischen erledigt ist, was ansteht, wie es weitergeht.

Traurig mit dem verstummten Bruder vor der Tür

In anderen Orten gibt es regelmäßig Bürgerversammlungen, bei denen die Bürger über die Aktivitäten der Gemeinde informiert werden. Dabei geben sich die Ortsvertreter sichtlich Mühe!

Hier gehen die Uhren anscheinend anders. Wäre ich nicht schon abgewandert, vielleicht wäre jetzt der Moment gekommen…

Muss das sein? Ausgerechnet auf einem so wunderschönen Fleckchen Erde?

Und so sitze ich an meinem Laptop, wenige Meter von mir entfernt der verstummte „Bruder Mühlbach“, und ich könnte schreien!!

Liebes Christkind!

Sicherheitshalber verfasse ich mal schnell einen Brief an das Christkind. Heuer habe ich nur einen Wunsch. Ich glaube, ich bräuchte ihn gar nicht zu erwähnen…

Richtig! Dass das Wasser unseres schönen Mühlbachs bald wieder so dahinfließt, wie es dies viele Jahrhunderte treu und fröhlich tat.

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