Gail, Gössering, Mühlbach (Beschreibung)

Wasserbuch_RegionHier ein Ausschnitt aus dem sogenannten WASSERBUCH. Man sieht, wie wasserreich das Gebiet ist.

Die Gail

Die Gail fließt durch das Lesachtal und Gailtal und mündet bei Villach in die Drau.

Die Gössering

Der Gösseringfluss fließt durch das Gitschtal (kurioser Namensunterschied!).

Sie musste sich zwischen Grünburg und Hermagor ein Bett durch einen tiefen Graben schaffen.

Der Gösseringgraben

Dieser Graben blieb er in seinem Artenreichtum (hohe Luftfeuchtigkeit, üppiges Pflanzenwachstum) relativ unberührt erhalten, abgesehen von einem Wanderweg, der durch den Graben führt, mit kleinen, einfachen Brücken.

Ein altes E-Werk bei Grünburg und ein neues E-Werk im Graben durchbrechen diese Idylle.

Der Weg dient Spaziergängern zur Naherholung.

EIne Zeitlang war Jogging große Mode. So wurde der erste Teil des Grabens auch mit Fitness-Stationen ausgestattet,  dei schon lange nichtz mehr existieren.

Einige Plätze am Bach eigneten sich gut zum Wildbaden.

Früher lernten die Kinder hier mit dem Wasser vertraut zu werden und sogar schwimmen.

Wildbaden an der Gössering war eine willkommene Abwechslung zu den in den goldenen Touristenjahren (Siebziger) überfüllten und sehr lauten Badestränden am Presseggersee.

Hier fand man Ruhe und genoss das frische Wasser und das damit verbundene Naturerlebnis. Steine, Treibholz und Lehm bereiteten den Kindern mehr Spass als das gebändigte Leben in einem öffentlichen Bad.

Die Lage des Gösseringgrabens ist günstig. Im Sommer bekommt man auch am Talboden viel Sonne ab. Wunderschöne Falter waren zu beobachten.

Heute wurden ähnliche Plätze an der Gail geschaffen, doch ist das Baden an einem Fluss nicht dem Naturleben in einem natürlichen Graben gleichzusetzen.

Von der Gössering wurde am Ende des Grabens dort, wo ein Wasserfall durch eine Stufe gebändigt wurde, mithilfe eines sogenannten Wasserwehrs ein Mühlbach abgezweigt.

Das Wasserwehr gehört der Gemeinde.

Der Mühlbach

Zunächst westlich, später, dem Verlauf der Gössering folgend, südlich von der Gössering war der Mühlbach in ein Bett gefasst und diente Anwohnern und den angesiedelten Gewerbebetrieben auf vielfältigste Weise. Eine alte Getreidemühle wurde erst vor nicht allzulanger Zeit abgetragen. Auch damit ging ein Stück altes Ortsbild verloren.

Der Mühlbach hatte üblicherweise einen sehr kräftigen und raschen Durchfluss und war wegen seiner Reinheit beliebt. Das klare Wasser wurde vor allem von Touristen begeistert entdeckt und fotografiert.

Fische tummelten sich darin.  Was für eine Freude, kräftige Forellen darin stehen zu sehen, wie in der Gössering!

Die Pflanzen längs des Baches und im Bachbett zeugten von der hohen Wasserqualität.

Ehe die Waschmaschinen in die Haushalte Einzug hielten, gingen die Frauen des Ortes mit ihren Wäschekörben zum Bach, um dort ihre Wäsche zu schwemmemn. Es gab sogar einen eigens dafür errichteten Abgang, eine hölzerne Schwemmbrücke.

Der Schützenpark

Gössering und Mühlbach säumen einen kleinen Park ein, der überwiegend mit roten und weißen Kastanienbäumen bepflanzt war. Er wurde Schützenpark bekannt zum Andenken an die Abwehrkämpfer. Ein Denkmal in der Mitte des Parks wurde früher sehr aufmerksam mit leuchtenden Blumen in den Kärntner Farben geziert.

Der Park war früher in einem freundlichen, gepflegten Zustand mit hellem Kies und vielen roten Holzbänken. In den letzten Jahrzehnten wurden vermutlich zur größeren Pflegeleichtigkeit Sträucher und einige Bäume entfernt und nicht mehr ersetzt.

Je liebloser der Park behandelt wurde und je verarmter er wirkte, desto mehr ließ natürlich seine Attraktivät auf Besucher nach.

Der Stocksteinerwandweg

Am alten Kern der kleinen Stadt, an der Stocksteinerwand, floss der Mühlbach nördlich vorbei und da wurde erfreulicherweise vor einiger Zeit ein Fußweg geschaffen, der an der Flanke der Stocksteinerwand vorbei ins Zentrum führte.

Leider wird auch dieser vernachlässigt. Schließlich fand man wohl Sicherheitsgründe, um ihn hin und wieder einzuschränken und zu sperren.

Verkürzung des Mühlbachs vor Jahrzehnten, kurzsichtige Entscheidungen des Landes der letzten Jahre

Hermagor ist nicht gerade reich an Attraktionen und schönen Spazierwegen.

Vermutlich geht es als die größte Kurzsichtigkeit, Idiotie und Herzlosigkeit aller Zeiten in die Hermagorer Stadtchronik ein, dass diese wunderbaren natürlichen Ressourcen verschleudert wurden.

Kurz vorm Friedhof, also am südlichsten Ende der Stadt, wurde seinerzeit der Mühlbach in die Gössering zurückgeführt. Diese mündet kurz danach bei Potschach bzw. Möderndorf in die Gail.

Im Ort wurde der Bach zunehmend überbaut bzw. abgedeckt, aus eigensüchtigen Interessen der Anrainer, denen er im Weg war, brauchte man doch  Wohn- und Abstellfläche. Nun droht ihm wohl das gänzliche Verschwinden, was wohl die größte Schändlichkeit wäre, zu der die Hermagorer Gemeindevertretung jemals imstande war.

Frevel an heiligen Naturstätten bzw. Kraftplätzen

Unseren Vorvätern war jede Quelle, jeder Brunnen, jeder Bach, jeder Wasserfall heilig.

Es ist erschütternd, dass der jüngste Frevel unbemerkt von der Bevölkerung erfolgte. Möglicherweise würde zur Wiederherstellung des Mühlbachs nichts geschehen, wenn sich nicht eine Bürgerinitiative seit Jahren vehement für den Mühlbach einsetzt.

Es ist fünf vor zwölf.

Historische Schriften

Weit anschaulicher und genauer ist die Geschichte des Hermagorer Mühlbachs und die Geschichte der Hermagorer Stocksteinerwand in den Schriften von Helene Pilz geb. Kandolf beschrieben.

Unser_Mühlbach_Helene_Pilz_2014.pdf (ca. 40 Mb)


Fotos von einer Besichtigung des Gösseringgrabens im November 2016:

https://goo.gl/photos/g4jEnxrk4pSpxidt5

Die Gössering (Zitat von Wikipedia, Stand 19. Jänner 2020):

„Die Gössering ist ein Nebenfluss der Gail in Kärnten.

Das von ihr durchflossene Tal wird Gitschtal genannt. Die Gössering entspringt unterhalb der Reißkofels und mündet nach rund 22 km südlich von Hermagor bei Möderndorf in die Gail.

Trotz zahlreicher Verbauungen und zweier Wasserkraftanlagen kann die Gössering noch als relativ naturnahe aufgefasst werden. Im Gitschtal befinden sich die einzigen Kärntner Vorkommen des Dohlenkrebses.

Ein beliebtes Ausflugsziel ist der Gösseringgraben mit dem Gössering-Wasserfall.

In Hermagor nährt sie einen Mühlbach. Er hat seine Bedeutung als Energiequelle für Mühlen, Sägewerke und Schmieden mittlerweile verloren.“

 

Der Ursprung (Quelle) der Gössering unweit vom Dristallkofel bzw. dem Reißkofel, nahe der Egger Alm und Compton-Hütte, auf Forstwegen erreichbar von Greifenburg aus, für Wanderer von Weißbriach aus.

Hier der Mühlbach als Fischrevier im Wasserbuch eingetragen, unsere Recherche im April 2021